Im Deutschen Yoga-Forum spreche ich über meine Arbeit bei Lieblingsfach Matte – und darüber, warum Yoga für mich weit mehr als Bewegung ist
Warum sollte Yoga einen festen Platz im Stundenplan haben? Was können Kinder dabei fürs Leben lernen? Und was braucht es, damit Yoga nicht nur vorübergehend an einer Schule zu Gast ist, sondern langfristig Teil des Schulalltags wird?
Über diese Fragen durfte ich mit Miriam Müller, Chefredakteurin des Deutschen Yoga-Forums, sprechen. Das Interview ist in der Ausgabe 5/2026 mit dem Themenschwerpunkt „Gemeinschaft“ erschienen.
Im Mittelpunkt steht unser Schulprojekt Lieblingsfach Matte, das ich gemeinsam mit Thorsten Kellermann leite. Gleichzeitig geht es in dem Gespräch um viele Themen, die meine gesamte Arbeit prägen: die Verbindung zum eigenen Körper, den Umgang mit Stress und Anspannung, das Erleben von Sicherheit und die Frage, wie Menschen wieder mehr Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen und Grenzen finden können.
Yoga ist für mich Körperarbeit
Als Yogatherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeite ich vor allem mit Menschen, die unter großer Belastung stehen – etwa durch Depressionen, traumatische Erfahrungen oder eine Krebserkrankung. Dabei erlebe ich immer wieder, wie schwer es sein kann, den eigenen Körper überhaupt wahrzunehmen und seine Signale einzuordnen.
Viele Menschen lernen früh, körperliche Bedürfnisse zu übergehen und vor allem „zu funktionieren“. Doch wie kann ich erkennen, was mir guttut, wann ich eine Pause brauche oder wo meine Grenzen liegen, wenn ich meinen Körper kaum wahrnehme?
Genau deshalb gehört die Verbindung zum Körper für mich zu den Fähigkeiten, die Kinder möglichst früh kennenlernen sollten. Yoga kann ihnen einen geschützten Raum geben, in dem sie Bewegung, Ruhe und Gemeinschaft ohne Leistungsdruck erleben.
Traumasensibilität beginnt mit Wahlmöglichkeiten
Meine traumasensitive Haltung prägt auch die Arbeit im Schulprojekt. Eine Yogastunde braucht eine klare, verlässliche Struktur – gleichzeitig dürfen die Kinder selbst entscheiden, wie sie teilnehmen möchten.
Niemand muss eine Übung perfekt ausführen. Auch Zuschauen, eine Pause machen oder eine andere Variante wählen ist möglich. Es geht nicht darum, dass alle Kinder dasselbe tun. Vielmehr sollen sie erleben, dass Körper verschieden sind, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse und Grenzen haben und dass all das in Ordnung ist.
Diese Erfahrung kann nicht nur die Beziehung zum eigenen Körper verändern, sondern auch den Blick auf andere. Darin liegt für mich ein wichtiger Aspekt von Gemeinschaft.
Wissen verständlich und alltagstauglich vermitteln
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist es, Wissen über Stress, Nervensystem und Selbstregulation so zu vermitteln, dass es im Alltag tatsächlich genutzt werden kann. Das gilt für meine therapeutische Arbeit ebenso wie für Fortbildungen und die Begleitung von Schulen.
Bei Lieblingsfach Matte geht es deshalb nicht allein um eine Yogastunde pro Woche. Atemübungen, kleine Bewegungsimpulse oder bewusste Momente des Ankommens können auch in den normalen Unterricht einfließen. Sie können Kindern und Lehrkräften helfen, Belastungen früher wahrzunehmen und wieder handlungsfähiger zu werden.
Dabei ist mir wichtig, keine überzogenen Wirkversprechen zu machen. Yoga löst nicht alle Schwierigkeiten im Schulsystem. Es kann aber konkrete Möglichkeiten eröffnen, mit Stress anders umzugehen und Momente von Sicherheit, Verbindung und Selbstwirksamkeit zu erleben.

Damit Yoga in der Schule bleibt
Die vielleicht wichtigste Erfahrung aus den vergangenen Projektjahren ist: Nachhaltigkeit entsteht nicht allein durch externe Yogalehrende.
Wenn Yoga langfristig Teil des Schulalltags werden soll, müssen die Lehrkräfte einbezogen werden. Sie kennen die Kinder, gestalten Beziehungen und prägen den Alltag der Schule. Deshalb bereiten wir sie schrittweise darauf vor, Yogaelemente und später auch ganze Stunden selbst zu übernehmen.
Unser Ziel ist erreicht, wenn eine Schule uns irgendwann nicht mehr braucht.
An unserer ersten Projektschule ist genau das gelungen: Yoga bleibt auch nach dem Ende unserer Begleitung festes Unterrichtsfach. Darüber hinaus nutzen die Lehrkräfte Atemübungen, bewusste Ankommenszeiten und Rückzugsmöglichkeiten inzwischen ganz selbstverständlich im Schulleben.
Für mich zeigt das, was möglich wird, wenn Yoga nicht nur als Abfolge von Übungen verstanden wird, sondern als Teil einer zugewandten und gesundheitsfördernden Schulkultur.
Das vollständige Interview
Im Interview spreche ich außerdem über die konkrete Gestaltung der Yogastunden, die Reaktionen der Kinder, die Herausforderungen des Projekts und die Bedingungen, die es für eine qualitätsgesicherte Verankerung von Yoga an Schulen braucht.
Mein herzlicher Dank gilt Miriam Müller und dem Deutschen Yoga-Forum für das ausführliche Gespräch und den Raum für dieses wichtige Thema.
Das Interview „Yoga in der Schule – Lieblingsfach Matte“ ist im Deutschen Yoga-Forum 5/2026 erschienen.



